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Auf unserem Platz ist selbst das Licht anders, hier geht die Sonne zum Beispiel so auf, dass sie sich über das Dach des Hauses Nummer zehn schwingt und sofort auf die Theke im Metzgerladen hereinscheint, was keine kleine Sache ist, da man unter der Aufschrift „Wild, Aufschnitt, Frischfleisch, Gewürze“ geradezu in den Keller hinuntersteigen muss, und es so kühl ist, als würde man in einem offenen Kühlschrank herumspazieren,
die Lichtstrahlen finden aber doch hierher, als könnte man noch glauben, dass neben dem Metzgerladen in solchen Momenten die blaue Leuchtreklame des Musikladens mit einem Überrest des morgendlichen Phosphoreszierens leuchten würde, doch es glänzt auch dann genauso, wenn die Sonne bereits den Wipfel der Bäume erreicht, ihre Wärme verströmt und mit wahnsinnigen Körpertäuschungen zwischen den sich hier- und dorthin drehenden Kränen hinübergleitet und auf den hier an der Ecke emporragenden Turm des Hotels mit den roten Ziegeln scheint, zudem auf den Wetterhahn hinaufklettert und sich, von hier abprallend, auf das Haus mit Blumenmuster und Wellenlinien wirft, in dem Ödön Lechner wohnte… übrigens ist unser Platz in zwei Teile geteilt, nicht nur, weil gerade durch die Mitte eine Straße führt, sondern auch weil die eine Seite voller Gras ist, die andere hingegen voller gelber Perlkiesel, auf der einen Seite rennen die Hunde frei herum, auf der anderen hingegen spielen die Kinder eingezäunt, denn das ist eine solche Stadt, hier werden die Kinder und die knirschenden Perlkiesel von einem schwarzen Eisengitter umfasst, das die auf den Rasen rennenden Hundchen in ihrer Eile hin und wieder stehenbleibend zur Erinnerung ordentlich anpissen… im Übrigen bevorzugen die Obdachlosen der Gegend auch die Rasenseite, was verständlich ist, denn hier stehen beim Zusammentreffen der Bürgersteige Betonbänke und aus einem Trinkbrunnen fließt ständig Wasser, das heißt die Mitte des Platzes ist ein wahres Badezimmer, wenn die doppelstöckigen Busse mit den schimmernden Scheiben die Touristen zum Hotel bringen, sieht man gleich, dass den aus der Ferne gekommenen Gästen dieser Komfort auch gefällt, denn sie beginnen sofort zu fotografieren, sie sehen zum Beispiel, dass ein Zigeunermädchen über den Platz läuft, in Richtung der eingeschossigen Häuser läuft, wo sich ab dem frühen Morgen alle auf die Straße hinaussetzen, die Männer Bierflaschen in der Hand halten, und die Frauen Kinder, und viel mehr vor den Toren und beim Gemischtwarenladen sitzen als man sich überhaupt Bewohner, was diese Häuser angeht, vorstellen könnte, dieses Zigeunermädchen läuft also mit klappernden Pantoffeln und dabei ruft es seiner Freundin zu, die neben dem Trinkbrunnen sitzt, „kommst du noch nicht rein?“, so fragt sie, denn für sie ist der Platz das Draußen, die Straße das Drinnen, „doch, ein bisschen später“, winkt die andere zurück und hebt die Bierflasche in der Hand hoch, „das trink’ ich noch, dann geh’ ich rein“… und die Busse sehen mit ihren Rückspiegeln aus wie riesige Käfer mit glänzenden Panzern und Fühlern, aus ihren Bäuchen laufen hingegen eifrige Ameisen hervor, sie fallen aus dem klimatisierten Passagierraum und freuen sich, dass sie angekommen sind, gestern zum Beispiel sind Spanier gekommen, und als sie ihre Beine ausstreckten, blieb neben dem Bus ein alter Mann stehen, starrte auf die schnaufende Maschine, in seiner Hand hing jene Sorte von Einkaufstasche, die aus Lederstreifen gewebt ist, und man sah nicht nur, dass die Henkel dieser Tasche schon wiederholte Male mit Plastikschnüren umwickelt worden sind, sondern auch, dass in dem Netz der Lederstreifen irgendein Aufschnitt in Butterbrotpapier und zwei Semmeln kauerten, zwei begeisterte Spanier meinten aber in diesem Alten die Stadt zu erkennen, ihre Lederschuhe glänzten und auch ihr öliges Haar, als sie zu dem Alten hinrannten, „Manuel“, schrie der eine, „José“ schrie der andere, und sie zeigten aufeinander, dann streckten sie dem Stadtbewohner die Hand entgegen, der Alte aber glaubte wohl, sie wollten seine Tasche ergattern, denn er drückte die Semmeln an seine Brust und begann zurückzuweichen und dann zu rennen, vergebens liefen die Spanier einige Schritte hinter ihm her, vergebens riefen sie Manuel und José, der alte rannte dadurch noch schneller auf die Tompa-Straße zu… Und da stand von der Betonbank das Zigeunermädchen auf, doch sie ging nicht nach innen, zwischen die Häuser, sondern zu den Büschen vor dem Hotel, denn hier umgibt die Armaturen der Gasleitungen dichtes Gestrüpp, und dies ist für die Obdachlosen ein Zubehör des Openairbadezimmers, ein grüner Vorhang, der in Augenhöhe zwar alles verdeckt, doch aus den Fenstern gesehen den Anblick frei lässt, darauf ging auch die Zigeunerin zu, in einem eng anliegenden Kleid und hochhackigen Sandalen, und als sie am Bus vorbeikam, goss in der mit Zierpflaster versehenen Promenade gerade eine Frau in kurzen Hosen, mit Brille und Rucksack aus einem Gummischlauch die Blumenbeete, indem sie Wasser verspritzend vor dem Chinaladen mit dem Schild „Geschenke, Taschen“ stand, daneben prangte auf der einen Seite eine Konditorei, auf der anderen die Aufschrift „Erste Pester Fußklinik“, und gegenüber auf der Terrasse der Kneipe „Katzenfalle“ glänzte auf den Gläsern das Licht ebenso wie auf den winzigen Tänzerinnen der „Glastechnik“, den kleinen gepunkteten Glasgiraffen, den Glasschiffchen mit ihren gespannten Segeln und den praktischen Milchpumpen, ganz zu schweigen von den Goldbuchstaben der an der grünen Hauswand prangenden Marmortafel, welche stolz verkünden, dass in diesem Haus der berühmte Dichter János Vajda gelebt hat, der gerade hier sein Gedicht „Der Komet“ schrieb… Die Zigeunerin verschwand allerdings zwischen den Büschen, das heißt zumindest glaubte sie wohl, sie sei verschwunden, denn sie zog das eng anliegende Kleid ganz in Ruhe und gemütlich hoch, schob den Slip runter, um sich von den getrunkenen Bieren zu befreien, es kam ihr gar nicht in den Sinn, nach oben zu sehen, der Alltag ist nicht dafür da, dass man die oben ausspioniert, doch sie konnte sich noch nicht einmal ordentlich hinhocken, als das Handy zu klingeln begann, zwischen den Büschen erschallte Mozarts Türkischer Marsch , „Hallo“, schrie die Zigeunerin, blieb jedoch hocken, verrichtete ihr Geschäft und schrie so zurück, „Gut, ja gut, ich geh’ gleich“. Und endlich waren alle Spanier ausgestiegen, der Touristenbus fuhr laut schnaufend los, und auf den Glasgiraffen schimmerte der gelbe, sehr gelbe Sonnenschein des Nachmittags auf…
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